Wir können auch Gemeinschaftsschule erklären – Aufbruchstimmung in der Gemeinschaftsschule Salem

Gemeinschaftsschule IMG_3349Wir haben Freude daran, uns immer wieder mit neuen Themen auseinanderzusetzen und zuzuhören. Wir helfen gern dabei auch komplexe Sachverhalte zu kommunizieren – und unser Besuch in der Gemeinschaftsschule, ein Ausflug in die Praxis der grün-roten Bildungspolitik hat uns viel Spaß gemacht. Die Gemeinde Salem hat es sich zum Ziel gesetzt, ihre Bürgerinnen und Bürger über kommunale Themen in verständlicher Sprache zu informieren. Dabei unterstützen wir das Rathaus.

Wir können auch Gemeinschaftsschule

Mit Begeisterung sind die 80 Schülerinnen und Schüler der Kassen 5a, 5b und 5c sowie Lehrer der Gemeinschaftsschule Salem ins neue Schuljahr gestartet. Statt unter Druck lernen die Kinder eigenverantwortlich. Noten und Klassenarbeiten in der herkömmlichen Formgibt es in der Gemeinschaftsschule nicht und deswegen auch keine Misserfolge. Die Zehnjährigen arbeiten konzentriert in einer neuen Lernumgebung. Sie motivieren sich gegenseitig. Neue und bisher ausschließlich gute Erfahrungen machen auch die Lehrer, die in der Schule die Rolle von Lernbegleitern und Lerncoaches übernehmen. Bei ihnen herrscht nach den ersten Wochen noch immer Aufbruchstimmung. Schulleiter Emil Bauscher erklärt: „Wir sind eine lernende Schule.“

So funktioniert die Schule

Während die Schülerinnen und Schüler früher in den Klassenzimmern, Fachräumen und zu Hause sitzend lernten, bringt sie die Gemeinschaftsschule in Bewegung. An der Schule erleben sie eine neuartige Lernumgebung mit Stehtischen, Sitzecken und mit einem eigenen Arbeitsplatz. Eine der drei fünften Klassen ist eine Inklusionsklasse, in die Schülerinnen und Schüler von der inklusiven Grundschule in Mimmenhausen an die Gemeinschaftsschule wechselten. Der Schultag beginnt für alle ab 7.45 Uhr mit dem Ankommen in der Schule. Die Kinder der drei fünften Klassen, die unverbindliche Empfehlungen für die Werkrealschule, die Realschule oder das Gymnasium hatten, treffen sich zunächst mit ihren Lehrern, die in der Gemeinschaftsschule Lernbegleiter heißen, in den Klassenzimmern. Dort planen die Kinder ihren Tag und legen fest, welche persönlichen Lernziele sie in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch erreichen möchten. Den Schülern und Schülerinnen werden im Rahmen des rhythmisierten Tageablaufs weiterhin genügend Möglichkeiten eingeräumt gemeinschaftliches und kooperatives Lernen in Partner- oder Gruppenarbeit einzuüben.

Selbstverantwortliches Lernen

Spätestens um 8.20 Uhr wechseln die Klassen ins Lernatelier. Dort hat jede Fünftklässlerin und jeder Fünftklässler seinen eigenen Arbeitsplatz. Die Schüler finden im Lernatelier alle Arbeitsunterlagen. Ihr Lernziel haben die Kinder vor Augen – ein Lernplan hängt an ihrem Arbeitsplatz. Die Schüler erarbeiten sich selbständig Inhalte üben und wiederholen den Lernstoff. Hausaufgaben gibt es nicht mehr, da alle Arbeiten in der Schule erledigt werden können.

Mucksmäuschenstill im Lernatelier

Im Lernatelier herrscht eine ruhige Arbeitsatmosphäre. Vier bis fünf Fachlehrer sind in dem Raum gleichzeitig anwesend. Falls die Kinder Hilfe benötigen, können sie die Lehrer, die das Lernen der Kinder begleiten, direkt fragen. In einem Lerntagebuch dokumentieren die Schüler jeweils ihre persönlichen Fortschritte. Bevor sie zum Beispiel in Englisch den nächst schwierigen Aufgabenbereich angehen, überprüfen sie ihren persönlichen Leistungsstand mit einem Gelingensnachweis. Wer 83 Prozent richtig macht, kann auf das nächst höhere Niveau wechseln.

Gelingensnachweise

Alle Schülerinnen und Schüler beginnen mit Aufgaben auf dem leichtesten Niveau, dem Mindeststandard M. Nicht alle Schüler müssen gleich viel üben, um zum Beispiel beim „Kopfrechnen“ auf das nächste höhere Niveau, den Regelstandard R oder den Expertenstandard E zu kommen. In der Gemeinschaftsschule lernen die Kinder auf drei Leveln, mit den Standards der Haupt- und Realschule und des Gymnasiums. Die Gelingensnachweise, die Klassenarbeiten ersetzen, können die Kinder dann ablegen , wenn sie die Ziele eines Kompetenzbereiches erreicht haben. Von den Fachlehrern, den Lernbegleitern erhalten die Kinder eine individuelle Rückmeldung, damit sie verstehen, weshalb sie im Einzelfall nicht erfolgreich waren. Nach einer erneuten Übungsphase schreibt der Schüler/ die Schülerin einen weiteren Gelingensnachweis. Leistungstarke Schüler und Schülerinnen spornen, wenn es um dasErreichen von Zielen geht, die anderen an, so Karin Hiestand, stellvertretende Schulleiterin.

Lerncoach ist Ansprechpartner

Wichtige Ansprechpartner der Kinder sind die Lerncoaches. Das sind sieben Lehrerinnen und Lehrer. Sie unterrichten im Idealfall die Kinder nicht, sondern sind Bezugspersonen und Berater in Sachen Lernen. Während die Kinder im Lernatelier arbeiten, besuchen sie auch, entweder einzeln oder in Gruppen von zwei bis drei Kindern ihren Lerncoach. Die Lerncoaches lassen die Kinder berichten und schauen die Lerntagebücher an. Sie erfahren von den Kindern, was sie gearbeitet haben und welche Lernziele sie sich gesetzt haben. Die Kinder sollen selbst überlegen und erkennen, was sie an ihrem Lernen möglicherweise ändern können (sollten). Mit dem Lerncoach können Kinder auch über Persönliches sprechen. Mindestens alle zwei bis drei Wochen treffen sich die Schüler mit ihrem Lerncoach. Wenn ein Kind Bedarf hat, kann es sich außerdem jederzeit beim Lerncoach melden. Die Gespräche sind vertraulich. Zeit, die die Lerncoaches mit den Kindern verbringen, wird mit einer Unterrichtsstunde auf das Deputat angerechnet. Die Gemeinschaftsschule Salem bietet den Lehrern, unter ihnen auch Realschullehrerinnen und eine Gymnasiallehrerin für Deutsch und Englisch, auch ein Arbeitszeitmodell an: Die Lehrer haben eine nach ihrem Deputat festgelegtePräsenzzeit an der Schule (z.B. 35 Stunden).In dieser Zeit können sie Schüler- und Elterngespräche führen oder, wenn sie als Lernbegleiter gerade nicht gefordert sind, Unterricht vorbereiten sowie Teamsitzungen mit allen GMS- Lehrern abhalten.

Stoff wiederholen

Wenn mehrere Schüler und Schülerinnen feststellen, dass sie noch weitere Informationen zu einem Thema benötigen, haben sie die Möglichkeit einen Input zu besuchen.Dazu nimmt sie der Lernbegleiter vom Lernatelier mit in den Inputraum. Der Lehrer erklärt den Stoff, also zum Beispiel die Grammatikregeln. In dem Zimmer befinden sich keine klassischen Schulmöbel, sondern runde Stehtische. In dem Raum, der auch gleichzeitig der Computerarbeitsraum ist, gibt es 16 Notebooks, mit denen die Schüler und Schülerinnen Aufgaben bearbeiten müssen, die sie zur Erreichung einer Kompetenz benötigen: z.B. Recherchieren, im Leseprogramm Antolin arbeiten oder mit verschiedenen Lernprogrammen Unterrichtsstoff vertiefen und wiederholen.

Fachunterricht in Fachräumen

Vokabeln lernen die Kinder gern miteinander auf dem Marktplatz. In der Nische sitzen die Schüler und Schülerinnen auf bequemen Kissen. Flüstern ist hier, anders als im Lernatelier, wo ein absolutes Sprechverbot untereinander gilt, erlaubt. Die Kinder entscheiden selbst, wann sie ihren Arbeitsplatz im Lernatelier verlassen möchten, um gemeinsam zu üben. Auf der „WieWo“ – Magnettafel zeigt der Schüler mit seinem Namensschild an, wo er sich gerade befindet.“ Naturwissenschaftlicher Fachunterricht, in dem die Kinder auch Experimente machen, findet wie früher im NWA-Fachraum statt. Schule, Alltag, Leben, kurz SAL, ist das Fach, in dem die Schüler den Umgang mit neuen Medien lernen, Sozialkompetenz und Teamfähigkeit trainieren sowie das Lernen lernen.

Gemeinschaftsschule ist Ganztagsschule

An drei Nachmittagen haben die 5.Klässler bis 15.30 Uhr Unterricht.
Montags findet das Fach SAL Schule – Alltag – Leben statt. Die Schüler und Schülerinnen besuchen jeden der drei angebotenen Kurse ein Trimester lang (Sozialkompetenztraining, Lernen lernen und Medienerziehung) und wechseln dann. Dienstags werden 6 Clubs im Bereich englische Sprache, Naturwissenschaften und Technisches Arbeiten angeboten. Auch hier wechseln die Schüler und Schülerinnen nach jedem Trimester, sodass sie alle drei Bereiche abgedeckt haben. Am Donnerstag finden die Neigungsangebote statt. Die Kinder können eine AG aus den Bereichen Sport, Werken, Kunst, Nähen, Theater, Musik und Tanz auswählen und wechseln in der Regel nach einem halben Jahr.

Unterrichtsmaterialien auf digitaler Plattform

Eine wichtige Rolle spielt bei der Vorbereitung des Unterrichts die Digitale Lernumgebung, kurz DiLer. Lehrer verschiedener Schulen stellen Arbeitspakete auf die Plattform und tauschen Unterrichtsmaterialien aus, erklärt Karin Hiestand. Mittlerweile gibt es zwar auch Schulbücher für die Gemeinschaftsschule, die Schule möchte aber zunächst auf die neuen Bildungspläne warten, die für 2016/2017 angekündigt sind. Zudem geht der Trend zu digitalen Materialien. Neben der Materialbörse bietet das Programm DiLer auch die Möglichkeit für Eltern, den individuellen Lernerfolg ihres Kindes zu verfolgen. Dazu wählen sich die Eltern mit einem persönlichen Passwort ein.

Soziale Kompetenz und Disziplin

Bevor sich die Kinder an der Gemeinschaftsschule mit Inhalten befasst haben, haben sie zunächst die Lernmethode trainiert. Sie beginnen als „Starter“ und können „Durchstarter“ werden. Je nachdem wie diszipliniert Kinder arbeiten und sich an Regeln halten, haben sie mehr oder weniger Rechte, dürfen zum Beispiel selbständig im Internet recherchieren oder nicht, oder werden als Helfer eingesetzt.

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