Zeitgemäßes statt unaufgeräumtes, bleiwüstiges Zeitungslayout auch fürs Infoblatt

Ein zeitgemäßes Design für eine Kundenzeitschrift, auch für ein städtisches Mitteilungsblatt, ist ein kleiner Schritt für einen professionellen Mediengestalter aber ein großer für die Leserschaft des Blattes. Neulich lästerte ein Kollege, der eine klassische Ausbildung zum Zeitungsredakteur absolviert hat und in einem kleineren Ort in Baden-Württemberg wohnt, über das Mitteilungsblatt seiner Gemeinde. Es sei unaufgeräumt, bleiwüstig und unlesbar, so sein vernichtendes Urteil. Auch wenn Kommunen und ärmere Vereine anders als Zeitungsverlage wohl kaum großes Geld für einen Stardesigner wie Mario Garcia oder ein Layouthandbuch mit herausragenden Layoutbeispielen ausgeben werden, müssen kommunale Mitteilungsblätter nicht so aussehen wie immer noch einige aussehen.

Das Unternehmen Design

Wir meinen, auch Seiten, auf denen Stadtnachrichten erscheinen, sollten in zeitgemäßem Design, also wenigstens einigermaßen aufgeräumt und luftig daher kommen. Bestenfalls haben die Seiten einen magazinartigen Touch. Ein zeitgemäßes Layout ist dringend nötig, weil Stadt- oder Vereinsblätter, die es nicht schaffen, das Interesse zu wecken, ungelesen im Papiermüll landen. Nur professionell gestaltete Produkte sprechen an. Wir meinen: Das Blatt muss Menschen, die gerade arglos ihre Post aus dem Briefkasten holen, dazu verführen, dem Produkt zwei bis drei Sekunden ihrer kostbaren Aufmerksamkeit zu schenken.

Unterwegs zum besseren Layout

Wir haben verstanden, dass zum Beispiel arme Bürgermeister mit bescheidenen Bordmitteln auskommen müssen und stellen deswegen nur ein paar wenige, einfache Layoutregeln auf, die jeder professionelle Mediengestalter leicht einhalten kann.  Wir machen uns also auf einem nicht steilen und nicht steinigen Weg zu einem neuen Layout:  Jede Seite hat – das ist unser erster Schritt – ab sofort einen klaren Aufmacher. Der Aufmacher hat das größte Bild und die größte Überschrift.

Mehr über den Aufmacher

Welcher Text zum Aufmacher wird, hängt von zwei Faktoren ab: Das wichtigste Thema muss auf der Seite nach oben  (das allerwichtigste in der jeweiligen Ausgabe am besten auf eine Aufschlagseite) und es muss ein attraktives Foto zum Aufmacher geben. Welcher Text letztendlich zum Aufmacher wird, legt, wenn es – wie in einem kommunalen Mitteilungsblatt – vorrangig um Information geht, die Redaktion ganz klar nach inhaltlichen Kriterien fest, niemals kann es der Layouter tun und schon gar nicht darf es dem Zufall überlassen bleiben.

Text braucht Lead

Der Aufmacher hat wie jeder Artikel einen Vorspann (Lead), der sehr gut lesbar ist, in dem das Wichtigste (die sechs W-Fragen wer, was, wann, wo, wie, warum) zusammengefasst ist und der deswegen fett/halbfett gedruckt sein sollte. Kursive Texte sind schlechter lesbar als andere und es ist deswegen nicht zu empfehlen, sie im Lead zu verwenden. Ein nach journalistischen Regeln gut geschriebener Lead gefällt auch Google. Der Vorspann oder Einstiegstext ist idealerweise gleichzeitig suchmaschinenoptimiert geschrieben. Wird der Aufmacher fürs Printprodukt also auch noch als Blogbeitrag online gestellt, sind zwei Fliegen mit einer Klappe erledigt.

Hier klicken die Leser

Zwischenüberschriften und eingeblockte Zitate machen einen längeren Text erst lesbar. Jedes Foto, muss, bevor es platziert wird, zwingend von der Technik (Helligkeit, Kontrast, Schärfe; Unterscheidung zwischen Fotos für vierfarbige oder Schwarzweißseiten) bearbeitet werden. Zu jedem Foto gibt es einen Bildtext. Der Bildtext kann auch mager gesetzt sein. Aus Tests wissen wir, dass Leser zuerst auf das Bild, den Titel, eingeblockte Zitate oder Zwischentitel und den Bildtext schauen, bevor sie damit beginnen, einen ganzen Artikel zu lesen.

Weitere Artikelformen

Zusatzinformationen und Fakten werden aus Artikeln ausgegliedert und in Infoboxen übersichtlich dargestellt. Ist ein Thema besonders wichtig, wird es in mehrere Beiträge aufgesplittet und kann auch über zwei Seiten laufen, also auf mehrere Seiten verteilt werden. Am Fuß der Seite steht eine sogenannte Fußgeschichte. Sie ist wichtig, damit kleine Texte nicht aus der Seite purzeln. Die Fußgeschichte ist kürzer als der Aufmacher und kann auch ohne Foto erscheinen.

Fortsetzungen vermeiden

Sollte ein Beitrag, was aber nur in Ausnahmefällen vorkommen darf, auf einer der folgenden Seiten fortgesetzt werden, steht auf der Seite, auf der der Beitrag anläuft und manchmal abrupt endet, in der letzten Zeile des angerissenen Artikels zwingend der Hinweis Weiterlesen auf Seite XX.

Wir sind kreativ

Das Standard-Layout sollten wir gelegentlich verlassen, um Themen neu aufzubereiten. Wir sollten auch mit Freistellern arbeiten. So bekommen wir die Vorgabe mit dem magazinartigen Design ganz gut hin.

Farbe sparsam einsetzen

Mit Farben wie Magenta (Schweinchenrosa) sollten wir sparsam umgehen und sie vor allem in einem seriösen Produkt nicht inflationär und schon gar nicht willkürlich einsetzen. Themen, die immer wieder aufgegriffen werden und zum Beispiel in Stadtnachrichten regelmäßig wiederkehren, sollten auch wieder erkennbar sein (Beispiel Thema Ökologie oder erneuerbare Energien könnten durch Zusatzfarbe grün oder ein Logo kenntlich gemacht werden).

Visualisieren heißt das Zauberwort

Das Zauberwort heißt Visualisieren. Das ist das Stichwort, um das sich beim Layout alles dreht. Wir müssen auch weg von langweiligen Gruppenbildern, auf denen mehrere Personen meistens dümmlich und immer gestellt in die Kamera grinsen und wir müssen hin zu markanten Einzelpersonen, Details, ungewöhnlichen Perspektiven, dramatischen Bildausschnitten und ungewöhnlichen Bildformaten (extreme Quer- oder Hochformate).

Schriftgröße und Luft

Entscheidend für die Lesbarkeit sind auch die Schriftgröße und der Zeilenabstand. Wir brauchen mehr Luft, sprich im Zweifelsfall einen etwas größeren Zeilenabstand und natürlich eine kleinere Spaltenbreite von 34 bis maximal 40 Zeichen.

 Fazit des Projekts zeitgemäßes Layout

Wenn wir unser Ziel eines zeitgemäßen Layouts mit Bordmitteln erreichen wollen, wäre es sinnvoll, ein kleines Formenbuch, vielleicht auch nur ein paar Formenblätter zu erstellen und produzierte Musterseiten dazu zu legen. In der Praxis kann es auch zielführend sein, wenn die Redaktion einen Scribble-Spiegel für jede Seite entwirft, nach dem sich die Mediengestalter oder Producer richten. Wer ein ansehnliches Zeitungslayout will, muss weg kommen vom bloßen Füllen von Seiten und hin zu einer professionellen Seitengestaltung. Das Layout einer Seite entsteht, wie wir meinen, zunächst im Kopf und kann im Idealfall beim Schreiben von Beiträgen schon mitgedacht werden. Bei komplexeren Themen bietet es sich an, von Anfang an zu splitten.

Der Schokladenriegel und das Schokoladenriegelpapier

Wir sind überzeugt davon, dass sich der Aufwand und die Investition in ein bleiernes, verstaubt aussehendes Produkt immer lohnen werden. Stadtnachrichten sind, um bei unserem Lieblingsbeispiel zu bleiben, wie Schokoladenriegel. Die Kunden greifen nicht automatisch zum Riegel aus der besten Bio-Schokolade, sondern zu dem mit der besten Verpackung.

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