Zum Neustart des aquabasilea: Nachgefragt bei Bäderpapst Professor Rudolf Wienands

Vom renommierten Bäderarchitekten Professor Rudolf Wienands wollten wir wissen, ob Bäder so wie Badebekleidung aus der Mode kommen können und was er vom Masterplan für das aquabasilea hält. Seine besten Jahre hat Rudolf Wienands übrigens an der ETH in Zürich verbracht. In der Schweiz, sagt er, habe er am meisten gelernt.

Herr Wienands, muss man an einem Bad wirklich ununterbrochen weiter bauen? 

Rudolf Wienands: Ja. Wer still steht, wird überholt. Ein Bad spiegelt den gesellschaftlichen Trend wieder. Die Gesellschaft ruht nicht. In den letzten 30 Jahren hat sie sich ständig und stark gewandelt. Das Bewusstsein hat sich geändert. Nur Erlebnisbad mit Trubel zu sein, kann sich heute kein Bad mehr leisten. Wir leben in einer Zeit der Rastlosigkeit. Ein Bad sollte die Leute zur Ruhe kommen lassen. Es ist ein Ort, an dem kein Handy klingelt und in dem man ganz altmodisch eine Illustrierte liest. In der fernöstlichen Medizin glaubt man, dass Geist und Psyche unsere Gesundheit bis zu 50 oder 60 Prozent beeinflussen. Die westliche Medizin nimmt Elemente aus der östlichen Medizin auf und bessert nach. Gute Bäder sind heute mehr Stätten der Gesundheitsvorsorge.

Herr Professor Wienands, Sie sind zwar nicht der Architekt des aquabasilea, aber Sie haben selbst schon unzählige Bäder geplant und auch gebaut. Wie viele sind es denn insgesamt?

Rudolf Wienands: Es dürften 20 grosse Thermalbäder sein. Hinzu kommen kleinere und ständige Nachattraktivierungen von etwa 15 Bädern wie zum Beispiel im Hundertwasserbad in Bad Blumau in Österreich.

Bäder sind sehr unterschiedlich. Die Felsentherme in Vals ist ein ganz anderes Bad als die Tamina Therme in Bad Ragaz oder das Alpamare in Zürich. Früher waren die Becken in vielen Bädern eckig, heute haben sie organische Formen. Welche Art von Bad gefällt Ihnen selbst am besten?

Rudolf Wienands: Das ist keine Frage. Mit der Therme in Vals hat Zumthor einen Meilenstein in der Bäderarchitektur gesetzt. Er hat das Bäderwesen zu seiner Essenz geführt. Der normale Gast fühlt sich aber in der Felsentherme gar nicht unbedingt wohl. Vielen ist es dort zu kahl und zu nackt. Less is more – diese architektonische Reduktion, um die architektonische Wirkung zu steigern, gefällt der Masse nicht.

Werden bei Entscheidungen, wenn es um den Weiterbau geht, auch die Reaktionen von normalen Badbesuchern berücksichtigt? Stimmen Sie mit ihren Schwimmflossen darüber ab, in welche Bereiche investiert wird?

Rudolf Wienands: Ja, geschäftlich erfolgreiche Bäder müssen auf die Quoten achten. Architektengeschmack ist nicht Massengeschmack. Ein Bad braucht auch den Bauch der Gaussschen Kurve, das heisst die grosse Masse. Es ist wie bei den Zeitungen. Mit der NZZ können Sie nicht die grosse Zahl der Leser des Blick erreichen. Ein erfolgreiches Bad muss wie ein Staubsauger unterschiedlichste Gäste aus einem grossen Umkreis anziehen.

Schweizweit gibt es viele wunderbare Wellnessanlagen. Das aquabasilea ist momentan das neueste und vielleicht bald das attraktivste Bad. Verraten Sie uns doch bitte, was sich in der Bäderarchitektur in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert hat. Wie sahen Bäder vor zehn Jahren aus und wie sehen Bäder in der Zukunft aus?

Rudolf Wienands: In den letzten Jahren ist die Wasserfläche immer kleiner geworden. Die 50 Meter Becken sind verschwunden. Es gibt heute viele kleinere Wasserbecken, die den Gästen erheblich mehr und sehr unterschiedliche Erlebnisse bieten. Dabei sollte das Wasser mal sanft und weich fliessen und mal – aus den Unterwasserdüsen – härter massierend stimulieren. Die Badbesucher können im Wasser und in den stillen Ruhebereichen erleben, wie ihre Seele sie wieder einholt. Die Grosshallenkonzepte sind heute eher verschwunden. Ob Becken runde oder eckige Formen haben, ist nicht entscheidend. Auf die Erlebnisdichte und Vielfalt kommt es an. Merkmalsreichtum im Raum, im Wasser und beim Licht sollen die verschiedenen Sinne ansprechen. Mit guten Raum-, Wasser- und Lichtkonzepten werden heute die Bäder der Zukunft gestaltet.

Schauen wir uns bitte einmal kurz den Masterplan für das aquabasilea an: Es wird neue spektakuläre Rutschen geben, Textilwellness, ein Hamam und bequeme Loungemöbel sind angeschafft worden. Ist das Geld im aquabasilea gut investiert?

Rudolf Wienands: Dieses Attraktivierungskonzept ist sehr gut. Das aquabasilea wird nicht nur attraktiver für Kinder: Das Spritzparadies ist ein Kick, ein Hammer. Es wird die Kinder im Bad ansaugen und die Erwachsenen von den Kindern befreien. Eine Mutter kann ein paar Stunden in die Sauna. Die Kinder werden sie nicht vermissen. Auch die Textilwellness ist eine richtige Entscheidung. Auch Badbesucher, die sich keinen ganzen Saunatag leisten wollen, dürfen in die Sauna. Momentan fehlt es dem aquabasilea noch an vielen Raumteilungen, besserer Raumzonierung, Raumdefinition wie wir Architekten es nennen. Es ist zu wenig räumlich klar definiert. Noch fühlt man sich wie in einer zu grossen Halle.

Hätten Sie beim Masterplan etwas anders gemacht?

Rudolf Wienands: Nein. Ich kann nur in allen Punkten zustimmen. Das aquabasilea muss den Mut haben, alle Punkte des Masterplanes zu verwirklichen. Wenn dieser Masterplan umgesetzt ist, kann das aquabasilea mit Abstand das erfolgreichste Bad in der Schweiz werden.

Das Interview führte Waltraud Kässer. Foto: Wienands privat

Aquabasilea – Nervenkitzel garantiert für Gross und Klein, Webfilm von Peter Schottmüller, Konstanz

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